
Seitenbau Konstanz Städtebaulicher Realisierungswettbewerb


Seitenbau
2006
Konstanz
Die interessante Aufgabe ein Bürogebäude zu entwerfen, bedeutet nicht nur die Besonderheiten des Ortes genau zu analysieren, sondern ebenso die Arbeitsweise des Unternehmens, die Firmenstruktur, das Tätigkeitsfeld oder bereits formulierte Vorstellungen und Anforderungen etc. ….. Mit diesen Informationen und Überlegungen gingen wir in die Phase der Suche nach der geeigneten Struktur und dem Raumkonzept.
Betrachten wir zunächst den Ort: der angrenzende, unbebaubare Grünbereich mit altem Baumbestand, der Blick auf den Seerhein oder der signifikante, historische Wasserturm sind die prägenden Elemente. Zur Bebauung haben wir den nördlichen Teil des Grundstücks favorisiert: Repräsentation zur Strasse, bessere bauliche Ausnutzung des Grundstücks (zwei Nutzungsschablonen), Städtebauliche Kante zur Strasse sowie Öffnung zum Grünbereich und Wasser: d.h. Verdichtung an der Seiler- und Bleicherstrasse / Öffnung bzw. Orientierung Richtung Süden, Bebauung nördliches Grundstück – ob als Erweiterung des Unternehmens oder durch eine Fremdfirma – Prinzipien der Verdichtung und Öffnung können beibehalten werden, der Ausblick Richtung Wasser bleibt gewährleistet.
Den Hauptzugang, die „Adresse“ an der Bleicherstrasse (durch die Bleiche bekanntere, von Fußgängern stärker frequentierte Strasse). Hinsichtlich der Firmenstruktur haben wir festgehalten, dass die Mitarbeiter an festen Arbeitsplätzen arbeiten (keine Rollcontainer). Es gibt einen intensiven persönlichen Austausch sowohl innerhalb der Abteilung als auch bereichsübergreifend. Meetings finden an Tischen und in Zwischenbereichen statt. Die einzelnen Abteilungen könnten sich vergrößern / verkleinern.
Die Entwurfsaufgabe ist für uns auch eine Auseinandersetzung mit dem Firmenprofil und der Tätigkeit, welche die Mitarbeiter tagtäglich leisten. Webbasierte Systemlösungen, bzw. allgemein das Operieren in der digitalen Welt, ist gleich einem Ein- und Abtauchen. Das konzentrierte Arbeiten am Bildschirm, in der Welt des www oder dessen System, ist vergleichbar mit dem Lesen eines spannenden Buches.
Michel Butor beschreibt – ich zitiere – „…wenn ich jedoch in das Buch versunken bin, entfernt sich dieses tatsächliche Zimmer von mir, es verschwindet: ich schenke dem, was ich sehe, falls mein Blick darauf fällt, keine Aufmerksamkeit mehr, meine Augen gleiten darüber hin.“
Dennoch – die Mitarbeiter entwickeln, kommunizieren und verweilen in der physischen Welt des Büros, befinden sich in realen Räumen. Das Arbeiten haben wir im Sinne von „tätiger Lebensweise“ begriffen, bei der eine intensive Kommunikation das Erfolgsrezept ausmacht, ein Informationsaustausch sozusagen als Arbeitsprinzip verstanden wird. Während des Arbeitens sei es immer wieder notwendig sich in einen abschließbaren Bereich zurückziehen zu können (zum Telefonieren oder bei Besprechungen), andererseits aber auch die Möglichkeit zu haben sich am „Arbeitsort Kaffeemaschine“ an der informellen Kommunikation zu beteiligen. Bewegung und Kommunikation sowie Offen und Geschlossen sind die tragenden Begriffe – im physischen und mentalen Sinne.
Welche räumliche und typologische Struktur ist also geeignet, die z.B. dem Wohlbefinden der Mitarbeiter entgegenkommt, der Arbeitsweise und Corperate Identitiy von Seitenbau entspricht, eine firmeninterne Kommunikation fördert, en passant aber auch einen Rückzug oder einen Zwischenraum anbietet, oder die flexibel ist, um Vergrößerungen und Verkleinerungen einzelner Bereiche zu erlauben oder gar abzukoppeln ?
Diese mikroskopische Aufnahme (Bild von Lennart Nilsson; Blutgerinnung, weiss = Fibrinfäden) wurde zum Leitbild der Struktur bzw. Raumkonzeption: fließender Raum, der alle Geschosse mit einbezieht, aus der Bewegung heraus erlebbare Struktur, d.h. die visuellen Bezüge ändern sich stets (Einheit von Zeit und Struktur), verschiedene Geschwindigkeiten (langsam/schnell) des Raumerlebens möglich, Einheit der Elemente trotz ihrer Unterschiedlichkeit.
Photography
BIEHLER WEITH